Karlsruhe - "Software ist Kunst." Mit diesem
Grundsatz hat der Programmierer des neueartigen Browsers Netomat http://www.netomat.net , Maciej
Wisniewski, ein Produkt entwickelt, mit dem das lineare Suchen und Surfen
ein Ende hat. Der Netomat löst die statischen Webseiten auf, reißt sie aus
ihrem Zusammenhang und präsentiert sie als bewegte Collage.
Seine Absicht sei, "die Art und Weise zu ändern, wie wir die Dinge sehen",
sagt der Wisniewski. Er sieht die Web-Gestalter noch immer viel zu sehr von
traditionellen Medien wie Zeitschriften und Büchern beeinflusst. Wisniewski
zufolge ist bei den Web-Browsern seit etwa 1993 nichts wirklich Neues mehr
passiert - die heute verbreiteten Programme von Netscape Navigator über
Internet Explorer bis Opera gehen alle auf den einen Urahn Mosaic zurück.
Darin bestätigt ihn Matthew Ciolek, der Netomat in seiner Zeittafel der
globalen Vernetzung als eine wesentliche Software-Innovation des Jahres 1999
aufführt.
Wisniewski hält Software für eine zeitgemäße Form der Kunst. Im Web sieht er
nicht nur eine Datenbank, sondern eine einzige große Anwendung. Sein
Java-basierter Browser wurde daher nicht auf einer Computermesse, sondern in
der schicken Postmasters Galerie im New Yorker Stadtteil Chelsea
vorgestellt, die für ihre digitalen und multimedialen Kunstprojekte bekannt
ist. Zuvor war Netomat sogar für eine Ausstellung im Museum of Modern Art
vorgesehen, die jedoch in letzter Minute durch die ausbleibende Erlaubnis
eines Komitees gestoppt wurde. In Deutschland stellte der Künstler seine
Browser-Kunst unlängst in der Karlsruher Ausstellung Net Condition
http://on1.zkm.de/static/index.html des Zentrum für Kunst und
Medientechnologie http://www.zkm.de/ (ZKM) vor.
Es ist auch eine Kunst, mit diesem alternativen Browser umzugehen. Jede neue
Anfrage bringt unerwartete Ergebnisse, während sich der Browser zugleich die
bisherigen Anfragen merkt und im Fluss der Informationen berücksichtigt. Der
ständige Strom der Web-Inhalte speist sich aus verschiedenen Quellen
zugleich. Wer sich darauf einlässt, kann ebenso ungewohnte wie faszinierende
Erfahrungen machen.