Frankfurt am Main/Wien - Bildungsdefizite im Bereich naturwissenschaftlicher Fächer werden zunehmend als Bedrohung für den Innovationsstandort Europa wahrgenommen. So befürchtet laut einer heute, Montag, veröffentlichten Studie des Verbands für Elektrotechnik (VDE) http://www.vde.com etwa ein Drittel der deutschen Technologieunternehmen, den Expertenbedarf künftig nicht mehr mit Ingenieurnachwuchs aus dem eigenen Land decken zu können. Neben der verbesserungswürdigen Ausbildungssituation rechnet ein Großteil der befragten Branchenkenner zudem mit der Abwanderung von Spitzenkräften ins Ausland.
"Der Wettlauf um Ideen und intelligente Lösungen, der Kampf um den Innovationsstandort Europa ist im Kern ein Bildungswettbewerb. Ohne massive Nachwuchsförderung werden wir folglich nicht zu den Gewinnern zählen", ist VDE-Präsident Michael Stadler überzeugt. Die aktuelle Bildungsdiskussion bewertet der VDE als extrem wichtig, wenngleich diese auch viel zu spät komme. Handlungsbedarf attestieren auch die für die Studie befragten Hochschul-Vertreter im Bereich Elektro- und Informationstechnik. So kamen rund 80 Prozent der Professoren zu dem Schluss, dass Abiturienten deutliche und zunehmende Defizite in Mathematik und Naturwissenschaften, aber auch in Deutsch aufweisen. "Die Ingenieurkarriere beginnt in der Schule", fordert Stadler eine nachhaltige Bildungsoffensive pro Mathematik und Physik.
Ähnlich wie in Deutschland wird vonseiten der Industrie die Situation in Österreich beurteilt. "In den Bereichen Wissenschaft, Technik und Forschung orten auch wir einen großen Aufholbedarf, sowohl was die Ausbildung als auch die tatsächliche Verfügbarkeit von Fachkräften betrifft", meint Wolfgang Haidinger, Experte im Bereich Bildung, Innovation und Forschung der österreichischen Industriellenvereinigung http://www.iv-net.at , gegenüber pressetext. Technologie-orientierte Innovationsbereiche, aber auch das klassische Ingenieurwesen im Allgemeinen bezeichnete Haidinger als Riesenchance für Arbeitsmarkt und Wirtschaftswachstum. In den nächsten Jahren gelte es daher verstärkt in die Schulung von angehenden Arbeitskräften zu investieren und vor allem auch für Frauen die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um diesen einen Einstieg zu erleichtern. "Dazu bedarf es einer gemeinsamen Anstrengung von Wirtschaft und Industrie mit der Politik", so Haidinger.