LEMBACH: Altbürgermeister ÖR Alois Hötzendorfer wurde am 19. 10. zu Grabe getragen. Er war einer von jenen Menschen, welche zum Glück bereit waren, in ihrem Leben um einiges mehr zu tun als nur ihre Pflicht. Und er war außerdem bereit dazu, obwohl ihm die Fülle seiner Aufgaben auf Grund seiner körperlichen Einschränkungen sicherlich manchmal noch um einiges schwerer gefallen sein musste, als einem gesunden Menschen.
Alois Hötzendorfer wurde am 30. Mai 1920 in
Atzesberg 10, Gemeinde Lembach, als eines von
8 Kindern geboren und absolvierte hier seine
Schulpflicht. Anschließend war er in der
elterlichen Landwirtschaft tätig. Von 1938 bis
1940 besuchte er die Landwirtschaftsschule in
Schlägl und erwarb sich dort und in weiteren
landwirtschaftlichen Fachkursen das Rüstzeug für
seine Tätigkeit als Landwirt.
Aber schon im Herbst 1940 musste Alois Hötzendorfer nach Klosterneuburg zur
deutschen Wehrmacht einrücken, er musste dort die Pionier- und
Funkerausbildung absolvieren und brachte es später im Krieg bis zum Unteroffizier.
Da der Russlandfeldzug begann, musste er – wie viele andere Lembacher auch - an
diese neue Front im Osten. Einigen schweren Schlachten entkommen, wurde er
schließlich aber durch Granatsplitter am linken Bein ver-wundet und musste ein
ganzes Jahr in verschiedenen Lazaretten verbringen, ehe er bei Kriegsende im
Sommer 1945 nach Hause entlassen wurde.
Vom Krieg in die elterliche Landwirtschaft heimgekehrt, verehelichte er sich 1949
mit Katharina Falkinger. Gemeinsam mit seiner Gattin übernahm er von seinen
Eltern nun als „Bauer von Gotzersdorf“ die 27 ha große Landwirtschaft. Durch
einen schweren Arbeitsunfall im Jahre 1960, bei dem er sich einen
Lendenwirbelbruch zuzog - was seine von da an unübersehbare Invalidität zur
Folge hatte - war er sieben Monate im Krankenhaus bzw. in Rehabilitation.
Von seinen vielen Funktionen im Laufe seines Lebens stellte sicherlich die des
Bürgermeisters die größte Herausforderung dar: Bis zu dieser Funktion hatte er
allerdings jede Menge an Erfahrungen gesammelt. Als fortschrittlicher Bauer wurde
Alois Hötzendorfer bereits 1949 zum Bauernbundobmann von Lembach gewählt,
eine Funktion, welche er ganze 31 Jahre, also bis 1980, inne hatte.
Im selben Jahr 1949 wurde er natürlich auch in den Ortsbauernausschuss berufen
und bekleidete auch dort 18 Jahre die Funktion eines Obmannes. Mehr als 19
Jahre, nämlich von 1953 bis 1972, führte ÖR Alois Hötzen-dorfer mit großem
Engagement unsere Ortsgruppe der ÖVP Lembach.
Im Alter von 35 Jahren kam er 1955 in den Gemeinderat, 1961 dann in den
Gemeindevorstand und 9 Jahre später, also im Jahre 1970, wurde er zum 41.
Bürgermeister unserer Marktgemeinde Lembach gewählt. Er hatte diese ehrenvolle
Funktion ganze 14 Jahre hindurch inne, eine Zeitspanne, welche in der 150-jährigen
Geschichte unserer Marktgemeinde von keinem Bürgermeister übertroffen wurde.
Während seiner Tätigkeit als Bürgermeister wurde um 1975 zunächst die schon bei
der Eröffnung zu klein gewesene Hauptschule um 7 Klassenräume erweitert.
Anschließend wurde in den Jahren 1979 bis 1983 die 6-klassige Volksschule neu
gebaut und die später nach unserem Lembacher Olympiasieger benannte Alfons
Dorfner-Halle errichtet. Weil das Friedhofsgebäude in einem äußerst desolaten
Zustand war, wurde 1976 von der Gemeinde beim Friedhof die neue
Aufbahrungshalle errichtet.
1979 wurde der Wasser-Hochbehälter erweitert und mit einer Entsäuerungsanlage
ausgestattet, da das Wasser-leitungsnetz und natürlich auch das Kanalnetz auf
Grund der starken Siedlungstätigkeit ständig erweitert wer-den musste. Der Start
für den 2. großen Kanal- und Kläranlagenbau – welcher heuer nach 18 Jahren
abge-schlossen werden konnte, fällt noch in die letzten beiden Amtsjahre von
Bürgermeister ÖR Hötzendorfer.
Auch der Ausbau der Güterwege und Siedlungsstraßen war ein Schwerpunkt
seiner Bürgermeistertätigkeit, wozu 1972 ein neuer Unimog angekauft werden
musste, um auch eine ordentliche Schneeräumung zu gewähr-leisten. Es ist erst gute
25 Jahre her, dass unter Bgm. Hötzendorfer in Lembach die Müllabfuhr eingeführt
wurde und diese wichtige Maßnahme war damals noch umstritten.
Auch die Einführung der Straßenbezeichnungen fällt in seine Amtszeit. 1982 wurde
im Bereich der Sportanlagen die Regulierung des Daglesbaches vorgenommen,
welche die Vor-aussetzung für die ab 1983 folgende Erneuerung und Erweiterung
des Sportplatzes war.
Als der Schilift in Lembach 1983 von den Besitzern eingestellt werden sollte kaufte
die Gemeinde den Lift und setzte Sanierungsmaßnahmen, um ihn später wieder an
einen privaten Betreiber verkaufen zu können. Nach jahrelangen Bestrebungen der
Gemeinde, erstmals einen größeren Mietwohnbau zu errichten, konnten 1983 dann
die ersten 15 WSG-Mietwohnungen übergeben werden.
Eine gut ausgerüstete Feuerwehr war ihm immer ein großes Anliegen: So wurde die
Lembacher Feuerwehr in seiner Amtszeit erstmals sowohl mit einem
Tanklöschfahrzeug als auch mit einem eigenen Rüstfahrzeug aus-gestattet.
Als Bürgermeister war ÖR Hötzendorfer natürlich auch Mitglied im Sparkassenrat
der Sparkasse Lembach. In seine Amtszeit fällt 1980 der schwierige, aber
gelungene Zusammenschluss von 6 Gemeindesparkassen zur Sparkasse
Mühlviertel-West. Für diese Verdienste wurde er mit der Goldenen Ehrennadel des
Sparkassen-verbandes ausgezeichnet.
Der kulturelle Bereich in der Gemeinde lag Altbürgermeister Hötzendorfer immer
am Herzen: Bekanntlich wurden im Weltkrieg wegen Rohstoffmangel alle
Kirchenglocken eingeschmolzen. Als dann Anfang der 50er Jahre auch in Lembach
wieder Kirchenglocken beschafft werden sollten, kam Alois Hötzendorfer sofort zu
einer ehrenvollen Funktion mit der tollen Bezeichnung
„Kirchenglockenkomiteeobmann“.
1976 wurden im Rahmen der 350 Jahr-Gedenkfeiern zum OÖ Bauernkrieg auch
Lembacher Kulturtage ab-gehalten und in diesem Zusammenhang eine
Fassadenaktion im Ortskern durchgeführt. Auch die Bestrebungen, in Lembach
eine Landesmusikschule zu errichten, gehen in die Amtszeit des Verstor-benen
zurück: 1978 wurde in den Räumlichkeiten der Hauptschule ein
Musikschul-Filialbetrieb der LMS Rohrbach aufgenommen.
Für seine Verdienste als Bürgermeister wurde ÖR Hötzendorfer am Ende seiner
Tätigkeit 1984 mit dem Gol-denen Verdienstzeichen der Republik Österreich
geehrt. Viele Jahre gehörte ÖR Hötzendorfer auch der
Bezirksgrundverkehrskommission an. Und als Obmann des örtlichen
Jagdausschusses hat er es immer verstanden, ausgleichend zwischen Jäger-schaft
und Bauernschaft zu wirken.
Auch im bäuerlichen Genossenschaftswesen war Altbürgermeister Hötzendorfer
natürlich kein Unbekannter: Von 1961 bis 1976 war er Aufsichtsratsvorsitzender
der Lagerhausgenossenschaft Lembach. Fast im selben Zeitraum – von 1961 bis
1974 – bekleidete er die Obmannstelle der Molkereigenossenschaft Lembach und
war in dieser Zeit auch Aufsichtsratsmitglied der Ennser
Milchverwertungsgenossenschaft. Als Anerkennung für diese langjährige Tätigkeit
im Genossenschaftswesen bekam Altbgm Hötzendorfer die Silberne
Raiffeisen-Plakette überreicht.
Im Jahre 1961 wurde er in die Vollversammlung der Landwirtschaftskammer für
OÖ gewählt, wo er bis 1979 als Kammerrat tätig war. Für sein verdienstvolles
Wirken und seinen persönlichen Einsatz im Interesse seines Berufsstandes wurde er
im Herbst 1978 vom Bundespräsidenten auch mit dem Berufstitel „Ökonomierat“
ausgezeichnet.
Und als nach dem Abzug der russischen Besatzungsmacht 1959 der
Kameradschaftsbund Lembach gegründet wurde, war er eines der
Gründungsmitglieder und in der Folge ein sehr aktives Mitglied, wofür ihm das
Sil-berne Verdienstzeichen und die Ehrenurkunde des Kameradschaftsbundes
verliehen wurde.
ÖR Hötzendorfers große Vorliebe aber galt dem Musikverein Lembach, bei
welchem er im Jahr 1967 die Ob-mannstelle übernahm. Dies in einer äußerst
schwierigen Zeit, in welcher unsere Musikkapelle echte Existenzprobleme
durchmachte.
Und so erwarb sich Altbürgermeister Hötzendorfer beim schwierigen
Wiederaufbau unserer Musikkapelle, bei der Neueinkleidung sowie bei der
Neuanschaffung von Instrumenten Anfang der 70er Jahre besonders große
Anerkennung. Ganze 23 Jahre stellte er sich mit großem, persönlichem Einsatz dem
Musikverein als Obmann zur Verfügung und wurde dafür mit Recht zum
Ehrenobmann ernannt und mit dem Goldenen Ehrenzeichen des
Blasmusikverbandes ausgezeichnet.
Faszinierend waren sein Geschichtswissen über und seine Leidenschaft zum
Heimatort Lembach. Großartig war auch sein handwerkliches Geschick bis ins
höhere Alter. Zwei großartige, maßstabgetreue Modelle vom Ort Lembach in
früheren Jahrhunderten sowie zahlreiche Modelle von alten landwirtschaftlichen
Gebäuden und Geräten stehen im Lembacher Heimatmuseum.
Lembach wird Altbürgermeister ÖR Alois Hötzendorfer ein gebührendes
Andenken bewahren.