WIEN/ROHRBACH. Abschied nehmen heißt es für tausende Oberösterreicher vom Briefträger, wenn ein Entwurf
des Verkehrsministeriums Wirklichkeit wird. Demnach sollen nur mehr Briefe an Haushalte zugestellt werden, die
sich in einem Umkreis von fünf Kilometern vom Postamt befinden.
In diesem Entwurf - festgeschrieben in der Post-Universaldienstverordnung § 3 Abs. 3 - heißt es, dass in Fällen, bei denen
die Wegstrecke zu der "in der Anschrift genannten Adresse mehr als fünf Kilometer oder eine Gehstunde vom Zustellpostamt
entfernt liegt, die Zustellung über Landabgabekasten erfolgen kann". In der Praxis würde dies bedeuten, dass der
Briefträger die Post nicht mehr in den eigenen Briefkasten steckt, sondern eben in diesen Landabgabekasten. Dort müsste
sich der Postkunde seine Briefe dann selbst abholen.
Gemeindebund protestiert
Für den Präsidenten des oberösterreichischen Gemeindebundes, Günter Pumberger, droht damit gerade auf dem Land eine
massive Einschränkung der Postzustellung. Dieser Meinung schließt sich auch Bgm. Ing. Josef Moser seitens des
Gemeindebundes Rohrbach an: "Sollte dieser Entwurf tatsächlich Realität werden, wäre das für den Bezirk Rohrbach eine
mittlere Katastrophe. Die Bevölkerung hat ein Recht auf einen entsprechenden Service durch die Post, man kann nicht
überall den Rotstift ansetzen!" Wobei sich Moser nicht generell gegen Veränderungen wehrt: "Wenn es bessere Modelle als
die jetzt praktizierte Form der Postzustellung gibt - warum nicht. Man muss aber mit den betroffenen Regionen reden, in
Wien kann man sich nicht vorstellen, was es heißt, in einem entlegenen Winkel des Landes zu leben" betont der Schlägler
Ortschef in seiner Funktion als Sprecher der Rohrbacher Bürgermeister.
1.900 Zustellpostämter
Knackpunkt bei der ins Auge gefassten Fünf-Kilometer Bestimmung ist die Frage des Zustellpostamts. Derzeit gibt es mit
1.900 Zustellpostämtern österreichweit ein dichtes Netz. Dieses will die Post - wie mehrfach berichtet - aber in Zukunft auf
400 - 500 große Zustellbasen reduzieren. Für den Bezirk Rohrbach gibt es bereits Pläne für derartige Basen, offiziell sind
dazu aber keine Auskünfte zu erhalten. Für den umstrittenen Entwurf des Verkehrsministerium werden bis 20. Februar noch
weitere Stellungnahmen eingeholt. Dabei ist mit massivem Widerstand gegen die Pläne zu rechnen, Gemeindebund und die
Postgewerkschaft haben bereits Proteste angekündigt.