ROHRBACH: Die Wirtschaftskammer Rohrbach hat einen neuen Obmann. Herbert Mairhofer wurde an die Spitze der Rohrbacher Wirtschaftsvertretung berufen. Der 48-jährige Hofkirchner Unternehmer folgt in dieser Funktion dem im Dezember vergangenen Jahres tödlich verunglückten Schlägler Kaufmann Mag. Josef Jauker nach.
Herbert Mairhofer, verheiratet und Vater zweier Töchter, absolvierte nach der Pflichtschule die Ausbildung zum Einzelhandels-kaufmann. Nach mehrjähriger unselbständiger Tätigkeit startete Mairhofer 1986 mit einer Versicherungsagentur seine Unternehmer-laufbahn. Seit 1990 ist er als Versicherungsmakler nicht nur in Hofkirchen tätig, sondern verfügt über Filialen in Peuerbach, Rohrbach, Neukirchen a. W., Ebelsberg und Lembach. Die Mairhofer LML Versicherungsmakler und Berater GmbH beschäftigt mittlerweile neben den beiden Geschäftsführern zehn selbständige Ver-siche-rungsmakler, fünf Angestellte, einen Lehrling und zwei geringfügig Beschäftigte.
Seit nunmehr zehn Jahren engagiert sich Mairhofer auch in der Wirtschaftsvertretung. Seit 1996 im Fachgruppenausschuss der Versicherungsmakler tätig, wurde er bei der letztjährigen WK-Wahl zum Obmann-Stellvertreter dieser Branche berufen. Nunmehr übernimmt Herbert Mairhofer als neuer WK-Bezirksstellenobmann Rohrbach die Verantwortung für insgesamt 2169 Unternehmer in diesem Mühlviertler Bezirk.
Einst Grenzbezirk, heute eine Wirtschaftsregion gleichsam im Zentrum Europas. Das bietet einerseits Chancen, andererseits bedeutet es gerade für die Wirtschaftsvertretung auch eine entsprechende Herausforderung. Umfangreich präsentiert sich deshalb das Arbeitsprogramm des im Vorjahr nach der WK-Wahl neu formierten Bezirksstellenausschusses der Wirtschaftskammer Rohrbach, an dessen Spitze seit kurzem mit Herbert Mairhofer auch ein neuer Obmann steht.
WK Rohrbach nimmt Attraktivitätssteigerung des Wirtschaftsraumes ins Visier
Mairhofer ist gleichsam oberster Repräsentant von 2169 Unternehmern. Das ist die aktuelle Zahl der Kammermitglieder im Bezirk Rohrbach. Gegenüber dem Jahr 2004 hat sich damit die Selbständigenanzahl um 2 Prozent erhöht. Gegliedert nach Sparten dominiert in diesem Mühlviertler Bezirk der Handel mit 962 Spartenmitgliedern, gefolgt vom Gewerbe und Handwerk (856), Tourismus und Freizeitwirtschaft (392), Information und Consulting (281), Transport und Verkehr (166), Industrie (69) sowie Bank und Versicherung (20). In den Arbeitgeberbetrieben dieser Branchen finden knapp 8.500 Beschäftigte ihren Broterwerb — darunter auch 881 Jugendliche, die sich derzeit in insgesamt 332 Lehrbetrieben ihr berufliches Rüstzeug holen. Was die Beschäftigung anlangt, zählt der Bezirk Rohrbach mit einer Jahresdurchschnittsarbeitslosigkeit von 3,7 Prozent im Jahr 2005 zu den Vorzeigeregionen in Österreich.
Als Signal für den Aufwärtstrend in der Rohrbacher Wirtschaft sieht Obmann Mairhofer auch die aktuelle Neugründungsstatis-tik. Insgesamt wurden 2005 im Bezirk Rohrbach 126 Unter-nehmen neu gegründet, um 10 mehr als im Jahr 2004. Der Trend zur Selbständigkeit ist am stärksten im Gewerbe und Handwerk (56 Neugründungen) sowie im Handel (55). Der Bereich Information und Consulting wuchs um 14 Selbständige, 7 Rohrbacher machten sich in Tourismus der Tourismus- und Freizeitwirtschaft selbständig, zwei weitere im Transport und Verkehr.
Schwerpunkt Unternehmens– und Regionalentwicklung
„Wir müssen deshalb alle Kräfte mobilisieren, um die Attrakti-vität des Bezirkes Rohrbach als Wirtschaftsstandort weiter zu steigern“, sieht Mairhofer in der Unternehmens- und Regionalentwicklung einen besonderen Schwerpunkt der regionalen WK-Tätigkeit.
Betriebsflächenmanagement auf Bezirksebene
Bereits im Frühjahr 2006 startet die Wirtschaftskammer Rohr-bach eine Internet-Plattform mit verfügbaren gewerblichen Betriebsbauflächen und Objekten. „Ziel ist eine möglichst lü-ckenlose Erfassung aller leer stehenden Geschäftslokale und Betriebsobjekte und aller Betriebsbaugebiete unserer Region. Die Plattform soll sowohl bestehenden Betrieben wie Jungun-ternehmern das Finden von vorhandenen Erweiterungsflächen und freien, gewerblich nutzbaren Gebäuden erleichtern“, so Mairhofer. Durch verstärkte Transparenz über das bestehende Angebot sollen Betriebserweiterungen, Betriebsansiedelungen und Unternehmensgründungen erleichtert werden. In Kooperation mit den Gemeinden des Bezirkes und den Immobilienmaklern soll dadurch eine bessere Vermarktung des Wirtschaftsstandortes „Bezirk Rohrbach“ erfolgen.
Intensivierung der Gründungs- und Nachfolgeberatungen
Hand in Hand dazu läuft auch die Intensivierung der Gründungs- und Nachfolgeberatungen. Mit der Durchführung von acht Gründerworkshops im Jahr 2006 soll die Information für Gründungswillige intensiviert werden. Fundierte Informationen zur Unternehmensgründung und –nachfolge sollen die Zahl der Unternehmensgründungen erhöhen, aber auch die Basis für nachhaltig erfolgreiches Unternehmerdasein in der Region bieten.
Fortsetzung der Kampagne „Kauf hier“
Gerade für den ländlichen Raum liegt eine der Grundvoraus-setzungen für eine positive Aufwärtsentwicklung auch im allgemeinen Regionalbewusstsein. Darauf zielt vor allem die Kaufkraftkampagne „Kauf hier“ ab, die auch heuer fortgesetzt wird — mit dem Ziel, die Bewusstseinsbildung für regionale Produkte und regionale Geschäfte im Bezirk Rohrbach zu stärken, ergänzt WK-Bezirksstellenleiter Mag. Klaus Grad. „Nur wenn die Bevölkerung auch zu ihrer Region steht, haben Nahversorgung und die damit verbundene Lebensqualität eine langfristige Chance.“
Schwerpunkt Kommunikation
Regionalbewusstsein setzt aber auch voraus, dass man über die Region, die Akteure und die Zusammenhänge Bescheid weiß, lenkt die Rohrbacher Wirtschaftsvertretung einen ihrer Arbeitsschwerpunkte auch auf die Kommunikation. Umgesetzt wird dies auf verschiedenen Ebenen.
Unternehmerabende auf Gemeindeebene
In der Funktionsperiode bis 2010 sollen verstärkt Unterneh-merabende vor Ort, also in den Gemeinden, stattfinden, denn die Anliegen und Bedürfnisse der Unternehmen sind am besten im unmittelbaren Umfeld diskutierbar. Durch Einbeziehen der Gemeindeverantwortlichen stehen neben aktuellen Bezirks-themen auch regionale Entwicklungen auf der Tagesordnung.
Wirtschaftsempfang im Herbst 2006
Wie bereits im Jahr 2005 erstmals durchgeführt, soll im Herbst 2006 ein Wirtschaftsempfang mit allen Vertretern der Wirtschaft des Bezirkes Rohrbach und allen Entscheidungsträgern und Meinungsbildnern stattfinden. Einen erfolgreichen Weg, mit Vertretern von Ämtern und Behörden, den Sozialpartnern, politischen Vertretern auf Gemeinde-, Landes- und Bundesebene aktuellen Themen des Bezirks zu diskutiert und vor allem für wirtschaftliche Bezirksinteressen Lobbying zu betreiben, hat die Wirtschaftskammer Rohrbach im Vorjahr erstmalig mit ihrem Wirtschaftsempfang beschritten. Diesen Wirtschaftsempfang wird es als kommunikativen Treff zwi-schen Wirtschaft, Entscheidungsträgern und Meinungsbildnern des Bezirkes Rohrbach auch im Herbst 2006 wieder geben.
Branchenkonferenz im Mai 2006
Viele Unternehmer sind für ihre Branche im Bezirk oder auf Landesebene aktiv. In einer gemeinsamen Konferenz, die be-reits im Mai 2006 stattfinden wird, soll über aktuelle Entwick-lungen im Bezirk diskutiert und gemeinsame Ziele, Aktivitäten und Forderungen abgestimmt werden.
Schwerpunkt Schule & Wirtschaft
Österreich und speziell Oberösterreich ist ein stark export-orientiertes Land, das sich im internationalen Wettbewerb nicht über den Preis behaupten kann. Umso mehr sind Qualität und hochqualifizierte Fachkräfte ein wesentliches Wettbewerbskriterium. Unsere Wirtschaft braucht mehr denn je topqualifizierten Berufsnachwuchs, Irrläufe in der Ausbildung kann man sich nicht leisten.
Schule & Wirtschaft-Projekt „Wirtschaft verstehen“
Umso wichtiger ist, dass bereits in der Schule die Weichen ins Berufsleben richtig gestellt werden. Hier startet gerade im Bezirk Rohrbach ein nachahmenswertes Beispiel der Zusam-menarbeit zwischen Schule und Wirtschaft in die praktische Umsetzung. Mit dem Projekt „Wirtschaft verstehen“ wurde eine Initiative gestartet, die Schülerinnen und Schüler veranlassen soll, sich früher und intensiver mit dem Thema Wirtschaft auseinander setzen. Initiiert wurde das Projekt von der Wirtschaftsvereinigung Haslach aktiv und der Hauptschule Haslach mit Unterstützung der Wirtschaftskammer Rohrbach, dem Landesschulrat OÖ, dem Land OÖ und der Jungen Wirtschaft.
„Schüler und Schülerinnen sollen zu wirtschaftlichem Denken und Handeln hingeführt werden und sich von der 1. bis zur 4. Klasse Hauptschule fächerübergreifend mit diesem Thema beschäftigen“, so ein Kernziel dieses Projektes, das in weiterer Folge auch auf die Miteinbeziehung von Lehrern und Eltern, die richtige und zielorientierte Berufswahl der Schüler und Schülerinnen, das Erkennen und Erleben der Bedeutung der Nahversorgung, die Erarbeitung von Unterrichtsbehelfen für fächerübergreifenden Unterricht, der Abbau von Berührungs-ängsten zwischen Lehrkräften und Unternehmern abzielt.
Die Vorteile dieses Projektes liegen neben einer nachhaltigen Bewusstseinsbildung bei Schülern, Lehrern, Eltern und Wirtschaft auch in einer intensiveren Kooperation mit lokalen Unternehmen.
Lehrlingsausbildung/Berufsinformation
Wir stehen vor einem tiefgreifenden demografischen Wandel in unserer Gesellschaft. Die Zahl der Jugendlichen wird spür-bar zurückgehen, ältere Personen werden mehr. Im Hinblick auf zukünftige Fachkräfte für die heimische Wirtschaft wird es wichtig sein, Jugendliche umfassend über berufliche Alterna-tiven zu informieren und im Besonderen die Vorteile des dua-len Bildungssystems herauszustreichen. Die Karrierechancen für ausgebildete Fachkräfte werden zukünftig deutlich stei-gen, ist Bezirksstellenobmann Mairhofer überzeugt. Er ist sich aber auch dessen bewusst, dass es in Hinkunft für die Wirtschaft schwieriger wird, das erforderliche Fachkräftepotenzial zu rekrutieren, weshalb er auch an die ausbildende Wirtschaft appelliert, vor allem auch im eigenen Interesse den jungen Leuten alle erdenklichen Ausbildungschancen zu geben.
Schwerpunkt: Infrastruktur
Will der Bezirk Rohrbach als Wirtschaftsstandort nachhaltig an Attraktivität gewinnen, bedarf dies auch einer entsprechend leistungsfähigen Verkehrsinfrastruktur, auf deren weitere Verbesserung die Mitglieder des Rohrbacher WK-Bezirksstellenausschusses ein besonderes Augenmerk legen.
Priorität hat hier für die Rohrbacher Wirtschaft — wie zuletzt beim Verkehrsinfrastrukturgipfel mit namhaften Experten der ASFINAG und des Landes OÖ erneut untermauert — die Realisierung des Linzer Westringes inklusive der Donaubrücke. Von nicht minderer Bedeutung ist für diese Mühlviertler Region das aktuelle Regionalverkehrskonzept, das die Entwicklung des öffentlichen Verkehrs unter besonderer Einbindung der Mühlkreisbahn beinhaltete. Mairhofer: „Die Wirtschaftskammer Rohrbach erachtet die weitere Verbesserung der Verkehrs-infrastruktur als entscheidendes Kriterium für die langfristige positive Entwicklung des Wirtschaftsraumes Rohrbach und wird diesem Thema daher weiterhin entsprechendes Engagement widmen. Im Besonderen geht es auch darum, für die Wirtschaft wichtige Projekte zu forcieren, um Standortsicherheit zu gewährleisten und die Entwicklung von Unternehmen zu fördern.
Schwerpunkt: Tourismus
Der Bezirk Rohrbach hat großes touristisches Potenzial. Eine 2,5-prozentige Steigerungen bei den Nächtigungen im Tourismusjahr 2004/2005 auf 326.583 Übernachtungen darf als Bestätigung dafür gewertet werden. Aber auch die erfreuliche Entwicklung des Skigebietes Hochficht und damit verbunden der gesamten Region sowie einiger touristischer Leitbetreibe zeigt, dass mit mutigen und zielgerichteten Investitionen Chancen erfolgreich genützt werden können.
Der Bezirk Rohrbach muss die Potenziale in diesem Bereich insbesondere auch im Hinblick auf den erweiterten EU-Raum systematisch erschließen und über ein regionales stimmiges Tourismuskonzept entsprechende Initiativen und Aktivitäten einleiten. Beispielsweise müssen geeignete touristische Produkte für Sommer und Winter (weiter-)entwickelt, die Entwicklung des Grenzraumes mit Südböhmen vorangetrieben und die ausgewiesenen Natura 2000-Gebiete aktiv genutzt werden.