Mit Konsequenz, Humor und "einer gewissen Gelassenheit" brachte Berta Prechtl eine Männerbastion zu Fall. Seit
1994 ist die fünffache Mutter die erste "Frau Bürgermeister" des Bezirkes Rohrbach und meistert dieses Amt mit
der gleichen Bravour wie ihre männlichen Kollegen.
PUTZLEINSDORF. Immer schon sehr aktiv im Elternverein und hier im Vorstand des Landesverbandes , war der Weg in
den Gemeinderat für Berta Prechtl fast vorgezeichnet. Doch das Bürgermeisteramt habe sie eigentlich nicht angestrebt,
erzählt sie im Gespräch mit dem BEZIRKSMAGAZIN. "Durch meine Tätigkeit als Bezirksobfrau des Elternvereins war ich im
ganzen Bezirk unterwegs, das hat mir anfänglich sehr geholfen", beschreibt die Putzleinsdorferin ihre ersten Schritte in
dieses schwierige Amt. "Natürlich muss man in vielen Bereichen dazulernen, aber die Leute sind sehr behutsam mit mir
umgegangen." Zu Beginn habe sie Erstaunen ausgelöst, aber "über mangelnde Akzeptanz konnte ich mich nie beklagen", so
Prechtl. Für ihren Mann und die fünf Kinder sei dieser Job natürlich eine Umstellung gewesen, "aber meine Familie
empfindet ihn als sehr positiv und ich glaube, sie sind auch ein bisserl stolz auf mich."
Zusammenarbeit und Konsequenz wichtig
Sprechtage hält die Ortschefin nicht. "Wenn die Leute etwas von mir wissen wollen, reden sie mich oft gleich auf der Straße
an, oder wir machen uns einen Termin aus", erzählt Prechtl, die mit ihrem Mann ein Sägewerk betreibt und dort
verschiedenste Backsaaten für Bäckereien herstellt. In ihrer politischen Arbeit legt sie Wert auf Zusammenarbeit, eine
gewisse Kompromissfähigkeit und, wenn es sein muss, entsprechende Konsequenz: "Wenn ich mir eine Linie zurechtgelegt
habe, und davon überzeugt bin, verfolge ich diese mit aller Entschlossenheit." Beste Erfahrungen habe sie mit der
Einbindung von Arbeitsgruppen bei der Realisierung verschiedenster Vorhaben gemacht: "Diese Art der Zusammenarbeit
möchte ich noch weiter intensivieren", erklärt Berta Prechtl. Zeit für Hobbys bleibt bei soviel Einsatz naturgemäß kaum. "Ich
lese sehr viel und im Sommer fahre ich gerne Rad", so die Ortschefin. Mehr sei derzeit nicht möglich, "denn zwei der fünf
Kinder sind noch zu Hause und brauchen mich natürlich auch."
Ob sie für eine weitere Periode zur Verfügung steht, kann sie heute noch nicht sagen, "aber wenn ich nicht mehr
Bürgermeisterin bin, wird mir sicher etwas fehlen."