Das Schreiben ist auf den 11. Oktober 2001 datiert, traf aber erst am 17. Oktober - 2 Tage vor der Veranstaltung! - ein:
"Einladung zur Gründung eines Fachausschusses sowie zu Sprechtagen im geplanten Europaschutzgebiet Oberes Donautal"
Hinter diesem sperrigen Titel verbarg sich die erste Informationsveranstaltung für die Bewohner des oberen Donautals zwischen Aschach und Freinberg, deren Gebiet zum europäischen Naturschutzgebiet erklärt werden soll. Die Naturschutzabteilung des Landes Oberösterrich hatte rund 2000 Grundbesitzer eingeladen. Trotz des knappen Termins waren etwa 200 gekommen, und fanden im Saal des Gasthof "Goldenes Schiff" in Engelhartszell kaum Platz.
Bereits zu Beginn war die Spannung zu spüren. Zurufe wie "Entmündigungstaktik" und "kalte Enteignung" waren zu hören. Dass die beiden Diplomingeneure Frau Gudrun Strauß-Wachenegger und Herr Kutzenberger ohne Mikrofon vor die Leute traten, verbesserte die Stimmung nicht gerade. Die Hälfte der Besucher konnten dem Vortrag somit kaum folgen.
Das große Ziel...
Österreich hat sich mit dem Beitritt zur Europäischen Union zur Umsetzung der Richtlinien im Bereich des Naturschutzes verpflichtet. Wesentliche rechtliche Grundlagen des Arten- und Biotopschutzes sind die Vogelschutzrichtlinie (von 1975) und die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (1992). Auf diesen Richtlinien basiert die von der EU geplante Einrichtung des europaweiten ökologischen Netzes "Natura 2000" .
Völlig neu ist die geplante Vorgangsweise bei der Einrichtung der Schutzgebiete: Die EU sieht vor, dass dabei keine Entscheidungen über die Köpfe der Grundbesitzer hinweg getroffen werden sollen - im Gegenteil: Die Betroffenen selbst sollen ihre eigenen Richtlinieren für die Zukunft erarbeiten.
... weit verfehlt
Der Naturschutzabteilung des Landes Oberösterreich kann der Vorwurf nicht espart werden, dass sie Ziele und Vorgaben der EU völlig übergangen hat. Natura 2000 ist kein neues Projekt, sondern viele Jahre alt. Die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie ist am 11. Juni 1994 in Kraft getreten.
Über Jahre gab es keine Information, sondern es wurde lediglich die Gerüchteküche angeheizt. Während die Grundbesitzer des Bayrische Teils des Donautals bereits vor Jahren schriftlich informiert wurden, blieb auf der österreichischen Seite alles im Ungewissen.
In Deutschland ist die Nennung der Natura 2000 Schutzgebiete längst abgeschlossen - gemeinsam mit den Weißbüchern, die jeweils mit den Betroffenen erarbeitet wurden.
Hier gehen die Uhren jedoch etwas anders: In Engelhartszell wurde am 19. Oktober erstmals mit den Betroffen gesprochen - keine drei Monate vor Ende der Einreichfrist per 31. Dezember 2001.
Kein Wunder, dass die Veranstaltung mit einem Eklat endete. Wütende Grundbesitzer beschimpften die Naturschutzbeamten des Landes Oberösterreich. In der aufgeheizten Stimmung ist völlig untergeangen, worum es eigentlich geht. Anstatt stolz darauf zu sein, in einem schützenswerten Gebiet zu leben, fühlen sich die Betroffenen nun hintergangen und in ihren Rechten beschnitten.
Es ist geradezu atemberaubend, wie es die Beamten des Landes OÖ geschafft haben, sich und die EU zum Feind der Bewohner des oberen Donautals zu machen. Dem Schwarzstorch und der Gelbbauchunke haben sie damit keinen Gefallen getan.
Info des OÖ Naturschutzbundes zu Natura 2000:
http://www.ooe.gv.at/natur/informativ/dateien/info%5F%20s00.pdf