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Temelin

Ein Jahr nach Temelin-Start: Block 2 soll trotz Pannen in Betrieb gehe

BEZIRKE. Kritik üben die oberösterreichischen Atomgegner an der staatlichen Kontroll- und Aufsichtsbehörde SUJB: Ein Jahr nach Start der ersten Kettenreaktion in Temelin hat sich an der unzulänglichen Situation im Sicherheitsbereich des AKWs nichts geändert. Dennoch hat die SUJB nun die Genehmigung erteilt, im Block 2 mit den "heißen Tests" zu beginnen.

Wie internationale Experten und Studien bestätigen, sind die wesentlichen Probleme und gravierenden sicherheitstechnischen Mängel nach wie vor ungelöst. Dennoch soll nun auch Block 2 in Betrieb gehen. Obwohl Block 1 zur Zeit wieder still steht und die notwendigen Prüfungen nicht erfolgreich abgeschlossen worden sind, wird die tschechische Nuklearaufsichtsbehörde die Genehmigung für eine Leistungssteigerung erteilen. "Die Unabhängigkeit und Kompetenz von SUJB als Aufsichtsbehörde muss stark angezweifelt werden, wenn sie trotz fehlgeschlagener Testreihen diese Bewilligung erteilt", kritisiert Josef Pühringer von der Plattform gegen Atomgefahr. Auch die Obfrau der Plattform, Mathilde Halla, wundert sich über die Inkompetenz von SUJB: "Fehlende Analysen und offensichtlich mangelhafte Prüfungen bei den Inbetriebnahme-Tests können doch von einer unabhängigen Staatsbehörde, die in diesem Fall die Verantwortung für die Sicherheit ganz Europas trägt, nicht einfach übersehen werden." In Europa oder den USA dürfte Temelin nicht einmal mit Brennstoff beladen werden, so desolat und mangelhaft ist der Pannenreaktor. Für beide Atomgegner ist klar, dass sich Tschechien mit derartigen Schritten den Weg in die EU selbst verbaut: "Österreichs EU-VerhandlerInnen können sich einen Energiekapitelabschluss unter diesen Umständen keinesfalls leisten", meint Pühringer, "die Stilllegung ist die einzige logische Konsequenz, nachdem wir jetzt jahrelang gesehen haben, dass Tschechien offensichtlich nicht bereit ist, Nachrüstungen nach dem Stand der Technik vorzunehmen."

Protest an den Grenzen

Sollte die Österreichische Bundesregierung in den nächsten Tagen keine verbindliche Aussage zum Nichtabschluss des Energiekapitels präsentieren, werden die Temelin-Gegner "Sitzstreiks" an den Grenzen durchführen. Außerdem ist am Nationalfeiertag, 26. Oktober (15 Uhr), ein Gedenkgottesdienst "Hoffnung schöpfen gegen die atomare Bedrohung" am Grenzübergang Guglwald geplant. Am 17. November (15 Uhr) weisen Ärzte bei einer Kundgebung am Grenzübergang Wullowitz auf die radioaktiven Gefahren am Dreiländereck durch Temelin hin.

 

Quelle: Bezirksmagazin, erschienen am 24.10.2001
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