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Junge Menschen vor Schuldenberg

Immer mehr Menschen stehen vor einem Schuldenberg

Der Konsumrausch fordert seine Opfer: Gerade in der Vorweihnachtszeit geben Menschen mehr Geld aus, als es ihre Verhältnisse erlauben. Der Verein für prophylaktische Sozialarbeit zeigt jetzt die traurige Tatsache auf, dass immer mehr Konsumenten unter 30 vor einem Schuldenberg stehen, den sie allein nicht mehr bewältigen können.

ROHRBACH/URFAHR. Der Beginn dieser "Schuldenkarriere" liegt oft weit zurück, wie das Beispiel von Franz F. (Name von der Redaktion geändert) zeigt: Mit 15 Jahren trat er in den Landesdienst ein, wo er auch heute noch beschäftigt ist. Mit 18 brauchte er ein neues Auto und da man als zukünftiger Beamter eine gewisse Repräsentationspflicht habe, musste es ein TDI um 250.000 Schilling sein. "Bei einem Nettogehalt von 11.000 S hatte ich eine monatliche Rückzahlungspflicht von 3.500 S", so der heute 26-Jährige. Nach dem Auto kam eine eigene Wohnung mit einer Monatsmiete von 3.850 S. Zusätzlich musste F. Alimente in der Höhe von 2.700 S leisten. "Ich hatte jedes Monat mehr Fixausgaben, als ich einnahm. Meine Schulden beliefen sich letztendlich auf eine Höhe von 500.000 Schilling", erzählt Franz F. Heute habe er eine Lebensgefährtin, mit der er ein gemeinsames Kind hat. Er verdient nun 13.500 S monatlich und nach dem erfolgreichen Abschluss eines Privatkonkursverfahrens - unterstützt von der Schuldnerberatung - werde er voraussichtlich in sieben Jahren schuldenfrei sein.

Jugendliche erkaufen sich gesellschaftliche Achtung

Für Mag. Paul Danninger, Schuldnerberater im Verein für prophylaktische Sozialarbeit in Rohrbach, ein typisches Beispiel: "Viele Jugendliche erkaufen sich durch ein zu teures Auto oder tolle Klamotten gesellschaftliche Achtung. Auch die Erhaltungskosten eines Handys werden oft unterschätzt. Das Konto wird permanent überzogen und schließlich mit Krediten ausgeglichen. Das Leben auf Pump nimmt seinen Lauf", weiß Danninger aus vielen Beratungsgesprächen. Mit dem Bau eines Hauses oder dem Einrichten einer Wohnung schlittern dann viele in die finanzielle Katastrophe. Rund 50.000 Jungfamilien zwischen 20 und 30 Jahren stünden österreichweit derzeit vor dem Chaos, so der Jurist. Auch die Höhe der Verschuldung ist gestiegen: Lag die Durchschnittsverschuldung 1995 noch bei 866.000 S, ist sie 1998 bereits auf 970.000 angestiegen. Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht. Gründe für diese Entwicklung? "Die Jugendlichen können heute immer weniger mit Geld umgehen, denn im Elternhaus lernen sie diesen nicht mehr", so Danninger. Hier seien die Schulen gefordert, etwas zu tun. Eine weitere Ursache sieht Danninger in dem veränderten Konsumverhalten und der großen Schere der Einkommen. "Besonders zu Weihnachten ist dies spürbar. Die unteren Einkommensschichten wollen auch mithalten und kaufen über ihre Verhältnisse ein", berichtet der Schuldnerberater. Das zeige auch die unterschiedliche Frequenz an neuen Klienten, die in der Beratungsstelle Hilfe suchen: Ein Drittel der jährlichen Neuzugänge käme in den Monaten Februar und März. -p.wink-

 

Quelle: Bezirksmagazin, erschienen am 10.12.1999
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