HOFKIRCHEN: Vor genau 100 Jahren, am 2. und 3. Juni 1902 wurde der Markt Hofkirchen von einer großen Brandkatastrophe heimgesucht. Um 22.30 Uhr brach im Haus Nr.22 im unteren Teil des Marktes ein Feuer aus, das verheerende Folgen haben sollte: Begünstigt durch große Trockenheit und durch starken Wind griff das Feuer rasch um sich und breitete sich rasend schnell aus. Der folgende Brand dauerte zwei Tage und zwei Nächte. Von den 60 Häusern, die damals zum Markt gehörten, brannten 44 Häuser mit den Scheunen und Nebengebäuden ab, darunter auch das Rathaus und die Schule. Nur 16 Häuser fielen den Flammen nicht zum Opfer.
Kirchendach brannte erst am 2. Tag
Während die Kirche am ersten Tag noch vor den Flammen verschont blieb, konnten die Feuerwehren am zweiten Tag das Übergreifen des Feuers auf die Kirche nicht verhindern, lediglich der erst im Jahr 1898 neu erbaute Turm konnte gerettet werden. Da am 3. Juni in der Pfarre Hofkirchen der Anbetungstag gefeiert wird, wurde damals das Allerheiligste in der mit einem prächtigen Frohnleichnamskranz geschmückten Monstranz in einer „traurigen Prozession“, wie die Pfarrchronik berichtet, zum Pfarrhof gebracht, der von den Flammen verschont blieb.
Auch Landeshauptmann Dr. Ebenhoch stattete dem Markt einen Besuch ab und überzeugte sich von der verzweifelten Lage der Bewohner des Marktes Hofkirchen. Rasch wurde eine Spendenaktion eingeleitet, bei der landesweit ein Betrag von 95.000 Kronen gespendet wurde. Die größten Spenden langten vom Land Oberösterreich (8.000 Kronen), Kaiser Franz Josef I. (5.000), Landeshauptmann Dr. Ebenhoch (2.000), Allgemeine Sparkasse Linz (1.000) und vom Verein der Oberösterreicher in Wien (867) ein.
Es war dieser historische Marktbrand nicht der erste, sondern laut Eintragung in der Pfarrchronik seit dem Jahr 1579 bereits der elfte Brand, wobei im Jahr 1636 der gesamte Markt ein Raub der Flammen wurde. Bei der Kirche selbst war nur zwei Jahre vorher am 18.August 1900 nach dem „Kaiseramt“, das zur Vollendung des 70. Lebensjahres von Kaiser Franz Josef I. abgehalten wurde, durch einen Salvenschuss der Bürgergarde das Schindeldach in Brand geraten. All diese Marktbrände hatten zur Folge, dass in Hofkirchen die Gründung der Feuerwehr schon im Jahr 1867 erfolgte und die FF Hofkirchen somit die älteste Feuerwehr des Bezirkes Rohrbach und die zweitälteste des Mühlviertels ist.
Unter größten Anstrengungen und schwersten Bedingungen musste in Hofkirchen der Wiederaufbau durchgeführt werden, die Häuserfassaden wurden dabei großteils verändert, die schönen Barockfassaden des alten Handelsmarktes gehörten der Vergangenheit an.
LH Dr.Ebenhoch startete den Bau der Ebenhoch-Landesstraße
Eine positive Seite hatte der katastrophale Marktbrand für die gesamte Umgebung. Der damalige Landeshauptmann Dr. Ebenhoch reiste mit dem Schiff bis Niederranna, wo er mit einer Kutsche abgeholt wurde. Vom schlechten Zustand der Straße nach Hofkirchen war er so enttäuscht, dass er den Bau einer neuen Straße bald in Auftrag gab. Sie wurde völlig neu trassiert und nach Abschluss der Planung in den Jahren 1906 bis 1908 tatsächlich gebaut. So dient die „Ebenhoch-Straße“ heute noch als Zufahrt zur Donaubrücke Niederranna!