LEMBACH: Zu Weihnachten warten alle Kinder auf Geschenke. Was aber, wenn Eltern ihren Kindern nichts schenken können? Wenn die Armut so groß ist, dass es am Nötigsten fehlt und das Wort GESCHENKE ein Fremdwort ist?
Österreicher fern der Heimat
So wie in den ukrainischen Karpaten, wo viele Nachfahren der vor ca. 200 Jahren ausgewanderten Österreicher - die sogenannten „Landler“ - noch heute unsere Muttersprache lernen. Vergangenes Jahr führte die OÖ-Landlerhilfe erstmals eine emotionell sehr bewegende Weihnachtsaktion durch: Geschenke aus der Schuhschachtel.
Die Mithilfe war enorm
Die Volks- und Hauptschule Lembach heben sich, wie viele andere Schulen in Oberösterreich, spontan bereit erklärt sich an dieser Aktion zu beteiligen. Die Schulkinder waren eifrig bei der Sache und so wurde bis Ende November gesammelt: Stofftiere, Bücher, Stifte, Süßes, Spielsachen, und vieles mehr türmte sich im Werkraum auf. Viele brachten schon fertig eingepackte Geschenke. Über 400 Weihnachtspakete konnten so zusammen gestellt werden.
Mit 22 Bussen in die Ukraine
Das Land OÖ stellte 22 Busse für den Transport zur Verfügung. Spontan haben sich auch drei Lembacher (Falkinger Josef, Schinkinger Hubert, Ammerstorfer Josef) als Fahrer gemeldet.
Am Donnerstag, den 19. Dezember 2002 ging die Fahrt los. Verabschiedet wurde der Konvoi vom Landeshauptmann. Insgesamt wurden 2005 km zurück gelegt (Linz - Linz). Besonders nervenaufreibend war die lange Wartezeit an der ukrainischen Grenze (Zoll). Die Geschenke wurden dann vor Ort von der Fahren verteilt bzw. auch O.Ö. Zivildienern überreicht, die dann die Verteilung in Schulen, Kindergärten und Waisenheimen vorgenommen haben.
Das Leben im Theresiental – meine Eindrücke von der Fahrt in die Ukraine - Ein Bericht von Josef Ammerstorfer (Fahrer)
Das Theresiental ist ein schmales Tal, das von der Rumänischen Grenze ca. 40 km Richtung Norden in die Karpaten verläuft. Unter Kaiserin Maria Theresia sind aus dem Salzkammergut (Bad Ischl, Ebensee) viele Leute in dieses Tal gezogen, da Ihnen Arbeit und Land zum Halten von zwei Kühen versprochen wurde.
Dort sind heute noch ca. zehn Prozent der Bewohner Nachfahren von Salzkammergutlern. Sie leben dort unter ärmsten Verhältnissen, aber sehr verbunden mit ihrer ehem. Heimat, dem Theresiental. Das Leben der Leute ist geprägt von Arbeitslosigkeit und Überalterung der Bevölkerung. Viele junge Leute siedeln in das Mutterland der Ukraine aus – es gibt keine Zukunft im Theresiental.
Das Monatseinkommen ist sehr niedrig und reicht oft nicht für die lebenswichtigsten Dinge. Es beträgt im Durchschnitt 40 bis 50 Euro, die Pension ca. 30 Euro. 1 kg Fleisch, Mehl oder Zucker kostet ca. 40 Cent. Die Stromkosten betragen im Monat ca. 6 Euro, 1 Paar Schuhe kosten ca. 11 Euro. Haarshampoo, Waschpulver, Toilettenpapier und ähnliche Hygieneartikel, sind kaum erschwinglich. Dementsprechend einfach ist daher auch die Lebensweise in den Dörfern. Meist gibt es in den Häusern nur einen beheizten Raum, warmes Fließwasser ist in den wenigsten Häusern vorhanden.
Als Toilette dient ein sogenanntes „Plumpsklo“ hinter dem Haus. In den Schulen und Kindergärten fehlt es oft an kleinen Dingen wie Farbstiften, Papier, Lichtbirnen und ähnlichen Dingen. Für Kinder sind Spielsachen, Plüschtiere und Schokolade nur ein Traum.
Der Lebensstandard reicht von Menschen ohne Einkommen, die im Fluss bei Minusgraden ihre Wäsche waschen, bis zu Waschmaschine und Fernseher mit Satellitenantenne. Das sind Geschenke von Bekannten aus dem Westen. Die Ärmsten lässt der Staat im Stich.
Das Verteilen der Pakete war der Höhepunkt unseres Aufenthaltes im Theresiental. Hunderte Kinder warteten seit Stunden auf unsere Ankunft um ein Paket zu bekommen. Die Freude der Kinder war riesenroß und das Funkeln der Augen lies mich die Strapazen der Reise schnell vergessen.
Die Leute sind sehr dankbar über jede Hilfe und sie brauchen diese auch „Im Tal, das Gott vergessen hat“ wie eine Reporterin es bezeichnete.