Im Jahre 1995 führte BEZIRKSMAGAZIN-Redakteurin Petra Winkler mit dem kürzlich verstorbenen
Altbundespräsidenten Rudolf Kirchschläger in seinem Wiener Haus ein Fernsehinterview für den Kabelsender MF1.
Wie sie ihn und seine Frau Herma erlebt hat, schildert sie in einem ganz persönlichen Nachruf.
Wie stellt man Kontakt zu einem ehemaligen Bundespräsidenten her? Rudolf Kirchschläger stand zu meiner Überraschung
einfach im Telefonbuch und erklärte mir mit seiner typischen, etwas zittrigen Stimme, dass er sich über Besuch aus dem
Mühlviertel freue. Bei unserem Eintreffen in Wien war ich dann doch etwas nervös, schließlich hat man nicht jeden Tag
Gelegenheit, mit einem ehemaligen Staatsoberhaupt zu plaudern.
Er öffnete uns selbst die Tür mit einem schlichten "Kommen´s rein, Vorsicht Stufe." Ein alter Mann, schon etwas zittrig, und
doch mit einer Ausstrahlung, derer man sich nicht entziehen konnte. Als es "Kamera läuft" hieß, veränderte sich Haltung und
Gestik - mir gegenüber saß der Politiker und Staatsmann Kirchschläger, gewohnt im Rampenlicht zu stehen. Anschließend
servierte uns seine Frau Tee und Gebäck und beide erzählten von den "schweren Zeiten, die sie gemeinsam erlebt hatten".
Seine Frau Herma, humor- und temperamentvoll:
"Weißt noch Vati, damals in der Tschechei..., oder der Kreisky..." Für uns eine Lehrstunde in österreichischer Geschichte.
Einfach, bescheiden, kritisch und humorvoll - eine Größe ausstrahlend, die uns alle beeindruckte - so haben ich ihn an
diesem Nachmittag in Wien erlebt.
Der gebürtige Niederkappler Rudolf Kirchschläger wurde Anfang der Woche im Beisein einer Abordnung seines
Geburtsortes zu Grabe getragen.